Gut zu wissenNews

Pimp my boat – Aus alt mach neu – 8 Wochen und ein paar Zerquetschte

Intro

Nach einer langen Ruhephase auf unserem Blog melde ich mich mit dem heutigen Beitrag zurück. Es ist viel passiert in den letzten Wochen und Monaten. Doch da euch wahrscheinlich Privates eher weniger interessiert und ihr hauptsächlich wegen der Angelei und allem was dazugehört hier seit, kommen wir direkt zum Thema dieses Beitrages.

Nachfolgend möchte ich euch erzählen wie ich mir ein altes Bötchen gekauft und dieses von Grund auf neu aufgebaut habe. Das einzige was nun noch Original ist, ist das GFK-Gerüst und das Metallgestell des Trailers auf dem es nun transportiert wird.

Wie alles begann

Angefangen hat alles Mitte April als ich endlich ein passendes Boot bei ebay-Kleinanzeigen entdeckt hatte und entschloss nicht mehr länger mit der Anschaffung zu warten. Also haute ich voller Euphorie in die Tasten und schrieb dem Anbieter eine Nachricht. Ich wollte mehr Bilder sehen bevor ich fest zusage, da sich das gute Stück satte 350km entfernt befand und ich mir eine Leerfahrt einfach nicht erlauben wollte.

Keine Stunde später befand sich eine Mail in meinem Postfach mit einem Link zu vielen hochauflösenden Bildern. An dieser Stelle nochmal Danke an den Anbieter, der sich nicht hat lumpen lassen und wirklich jedes kleinste Detail abfotografierte. Da es sich bei dem Boot um eine ca 30 Jahre alte Segeljolle handelte waren die Bilder eher aufmunternt als abschreckend. Aus dem einfachen Grund, dass ich ja vorher schon geplant hatte, dass ich mir ein eigenes auf meine Bedürfnisse angepasstes Boot bauen möchte.

 

14 Tage später fand ich mich an einem wunderschönen Samstag – an dem ich normalerweise am Wasser stehe – auf der Autobahn 38 wieder. Ich war mit meinem Schwager und dessen Volvo auf dem Weg nach Dessau an der Elbe. Dort in einem kleinen Ort, dessen Name ich leider vergessen habe, stand das Objekt der Begierde. Doch warum mit Schwager und warum mit Volvo? Ganz einfach…. Die Eltern von meinem Schwager wohnen in Elster, ca. 50km von dem unbekannter Ort entfernt. Dort verbrachten wir die Nacht und den halben darauffolgenden Sonntag. Cool war, das es Samstagabend ein Geburtstag mit viel (sehr viel) Bier und Schnaps gab und am nächsten Morgen eine kurze Elbe-Session mit Kopfschmerzen. Den Volvo hatten wir dabei, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Anhängerkupplung an meinem kleinen 1er BMW hatte. Der kleine 1er und die Anhängerkupplung sind aber ein anderes – leider nervenaufreibendes – Kapitel dieses Beitrags.

Am Sonntag Mittag ging es also mit Boot am Volvo 350km retour ins eiskalte, vernebelte Sauerland. Völlig geschafft und übermüdet kamen wir Abends bei einsetzender Dunkelheit an und schmissen uns direkt in unsere Betten. Nun war es also da, das Objekt der Begirde, doch nun stand erstmal eine harte Arbeitswoche vor mir, bevor ich meine neue Errungenschaft das erste mal zu Wasser lassen konnte. Trotzdem nutze ich die Abende unter der Woche um schonmal kleine Arbeiten am Boot vorzunehmen um wenigstens einigermaßen angeln zu können. Dazu kam natürlich, dass ich auch noch um ein Auto betteln musste. Aus dem oben angesprochen Grund: Mein Auto besaß immer noch keine Anhängerkupplung.

Die erste Tour

Als erstes montierte ich die Klassiker. 2 Schlepprutenhalter, 4 stehende Rutenhalter und eine Aufbewahrungsbox. So, dass sollte für die erste Jungfernfahrt reichen. Endlich war der Samstag gekommen und ich hängte das gute Stück voller Vorfreude an den Volvo meines Schwagers und machte mich auf den Weg Richtung Hausgewässer. Als ich angekommen war versuchte ich mich an die Reihenfolge der zu erledigenden Punkte zu erinnern die Mike abarbeitet wenn er sein Boot zu Wasser lässt.

Also…. erstmal die Spanngurte lösen, check. Dann die Angelsachen auf dem Boot platzieren, check. Dann Rückwärts ans Wasser fahren, ch…shit, das ist ja gar nicht so einfach! Naja nach einer gefühlten halben Stunde hatte ich dann auch das Boot die ca. 100m lange Slippstelle hinuntermanöfriert. Also nochmal….. Rückwärts ans Wasser fahren, check. Nun das Boot von der Seilwinde lösen und die Kielrollen hinunterschupsen, ch….wieder scheiße. Erstens hatte mein Trailer keine Seilwinde und zweitens auch keine Kielrollen. Nun würgte und ochste ich wie Popeye der Seeman ohne Spinat am Boot rum um es irgendwie von dem Trailer ins Wasser zu bekommen. Wieder eine gefühlte halbe Stunde später war auch dieses geschafft! Also…… Boot ins Wasser, check.

Als ich dann endlich die ersten Ruderzüge machte und schon wieder fast ein Strahlen im Gesicht hatte, fällt mir ein: Das Ding muss ja auch irgendwie wieder auf den Trailer drauf! Naja, drauf gesch….., jetzt wird erstmal geangelt! Leider blieb meine erste Bootstour ohne jeglichen Fischkontakt. Also steuerte ich wieder auf die Slippstelle zu und lud das Boot wieder auf den Trailer. Wie genau das ablief lasse ich euch zu liebe jetzt einfach mal weg.

Die Idee

Nach dem ersten Tripp stand für mich auf jeden Fall eines fest: Nicht nur das Boot hat Optimierungsbedarf sondern auch der Trailer! Mit diesen Gedanken im Kopf machte ich mich wieder auf den Heimweg. Die gesamte darauffolgende Woche verbrachte ich damit genau zu planen, welche Änderungen ich an dem Boot gerne hätte. Der Trailer war schon wieder aus dem Kopf. Denn in erster Linie geht es ja ums Angeln und nicht wie der Hin- und Rückweg abläuft. Im Zuge der Planung entstand folgende Zeichnung, die das Boot im fertigen Zustand abbildet. Doch ich kann an dieser Stelle schon sagen, der Plan wurde mehr als nur 1x überworfen.

boot_skizze

Die Anhängerkupplung

Bevor es jedoch an die Umsetzung des Bootumbaus gehen konnte, gab es noch eine ganz andere Aufgabe zu erledigen. Der BMW brauchte ja noch immer eine Anhängerkupplung. Also setzte ich mich wieder an Google und durchforstete das World Wide Web nach günstigen aber Qualitativ hochwertigen Anhängerkupplungen. Nach kurzer Zeit wurde ich auch schon fündig und bestellte das Ding. Im gleichen Zug fragte ich einen guten Kumpel und seinen Vater ob Sie mir beim Montieren helfen könnten. An dieser Stelle auch noch ein Dank an André und Thorsten die mir das Ding binnen weniger Stunden anbrachten und den Strom verlegten. Alleine hätte ich wahrscheinliche mehrere Monate dafür gebraucht und es hätte am Ende trotzdem nicht funktioniert. Aber auch bei den beiden gab es das ein oder andere Rätsel zu lösen.

Zunächst bauten Thorsten und ich den kompletten Kofferraum, die Stoßstange und alles was noch so im Weg war aus. Die Montage des massiven Gestells war auch kein Hexenwerk, doch als wir dann an den Kabelsatz kamen musste dann auch Andrè antanzen. Er studierte zunächst eine ganze Weile die Anleitung und machte sich mit entschlossenem Blick ans Werk. Als dann endlich alles verlegt war und wir die Hälfte des Autos schon wieder zusammengebaut hatten kam uns die glorreiche Idee doch erstmal zu testen ob auch alles funktioniert. Dem war nämlich nicht so! Der Strom der Rückleuchten und der Bremslichter wurde nicht an die Dose weitergeleitet. Nach 2 Stunden Fehlersuche gaben wir enttäuscht auf. Was den anschließenden Grillabend aber in keinster Weise schlechter machte!

Am darauffolgenden Tag lies ich noch meinen Nachbar nachschauen, der dann nach ein wenig rumbasteln endlich den Fehler beheben konnte. Es stellte sich heraus, dass in meinem 1er BMW der Elektrosatz eines X1 verbaut war. Dementsprechend mussten die Kabel anders angeschlossen werden. Naja, nun funktionierte es endlich.

Der Bootsumbau

Nachdem endlich die Anhängerkupplung funktionstüchtig am Auto angebracht war konnte es an die Anschaffungen für den Bootsumbau gehen. Nach und nach trudelten die bestellten Teile ein und wir machten uns ca. 4 Wochen später, also dann Ende Juni, an den eigentlichen Bootsumbau. Hierbei bekam ich Unterstützung von meinem Schwiegervater. Dem ich an dieser Stelle auch noch mal ein riesigen Dank aussprechen möchte! Ohne ihn, sein Werkzeug und seine Ideen würde ich heute wahrscheinlich durch mein nicht vorhandenes technisches Geschick ein hochverschuldeter Uferangler sein 😉 Auch mein Schwager Lars und mein Kumpel Mike haben mich bei dem Umbau tatkräftig unterstützt! Also Danke an Euch! Nun aber zurück zum Vorhaben.

Als allererstes habe ich natürlich mit dem Ausschlachten des Boots angefangen! Nach 2 Abenden hatte ich dann endlich die GFK-Schale blitzeblank vor mir stehen! Nun ging es ans Abschleifen. Dies nahm auch nochmal 2 ganze Abende in Anspruch. Die nächste Aufgabe war es die Siebdruckplatte (der zukünftige Innenausbau) zurecht zu schneiden. Hierfür orderte ich Mike zu mir, der als Schreinermeister quasi perfekt für diesen Job war. Meine Idee war es sich aus Pappe eine Schablone zu basteln um dann die Platte zuzuschneiden. Relativ schnell wurde klar, dass es auch viel einfacher gehen kann wenn man einen erfahrenen Menschen neben sich stehen hat! Also wurde die Platte so wie sie war auf das Boot gelegt und von unten die Kontur der GFK-Hülle angezeichnet. Mit einem guten Zentimeter Abstand zur gezeichneten Linie wurde das Ganze erstmal mit einer Stichsäge ausgeschnitten. Ab dann wurde die Platte Millimeter für Millimeter mit Hilfe eines Hobels eingepasst. Als Mike und ich dann am Ende des Tages die Platte im Boot liegen sahen, entschlossen wir die weiter oben abgebildeten Ausschnitte weg zu lassen. Uns schwebten die American-Bass-Boats im Hinterkopf herum. Diese Neuüberlegung brachte jedoch wieder einen großen Griff in den Geldbeutel mit sich. Denn jetzt mussten natürlich auch noch Stuhlbeine herbei.

Bild20

Nachdem wir den Innenausbau perfekt angepasst hatten, konnte es am nächsten Tag ans Grundieren der GFK-Schale gehen. Nach jedem Anstrich habe ich 24 Stunden einziehen lassen, um sicher zu gehen, dass auch die letzte Ecke durchgetrocknet ist. Als die gesamte GFK-Schale 2 mal grundiert war konnte es an den ersten Farbüberzug gehen. Nach der nächsten Trockenphase beschlossen wir die abgebrochenen Kanten und alten geborten Löscher mit Spachtelmasse und GFK-Matten auszubessern. Ganz nach dem Motto: „Wenn, dann richtig!“ Danach folgten 2 weitere Anstriche mit der Grundfarbe! Als kleines optisches Highlight setzte ich dann den oberen Rand der Schale mit einem dunkleren Farbton ab.

Nach einer Woche Anstreicharbeiten war dann endlich das Grundgerüst fertig! Also konnte es wieder an den Innenausbau gehen. Denn mittlerweile waren auch die Stuhlbeine angekommen. Als ersten legten wir die Platte auf den besorgten Bootsteppich und zeichneten die Form nach. Nun ging es ans Auschneiden und Anpassen des Teppichs. Mittlerweile war dann doch ein Ausschnitt in der Siebdruckplatte gelandet, in der ich meine Angeltaschen deponieren konnte. Nachdem alle Ausschnitte gemacht waren wurden die Stuhlbeine angeschraubt und die Rutenhalter eingebracht. Der Ausschnitt für die Angeltaschen bekam noch ein paar Winkelleisten für die Optik!

Am nächsten Morgen war endlich der große Tag, an dem alles wieder zusammengesetzt werden sollte. Als erstes haben wir für den Innenausbau einen kleinen Unterbau eingesetzt. Danach haben wir den Innenausbau eingelassen und außenrum mit Baukleber versiegelt. Jetzt mussten wir nur noch den Stoßschutz, die Ruder und die Sitze anbringen. Kurz bevor die Sonne unterging hatten wir das Boot fertig und meine Frau durfte zum Probesitzen erscheinen.

Die Jungfernfahrt mit dem neuen (alten) Boot war wirklich klasse und ich konnte auch direkt die ersten Fische vom Boot aus fangen. Das Einzige was mir immer noch nicht so wirklich gefiel war das zu Wasser lassen und aus dem Wasser holen des Bootes. Also musste ich nach ca. 2 Wochen Arbeitspause wieder den Garten frei räumen um erneut zu schrauben und zu malern.

Der Traileraufbau

Zuvor habe ich mir natürlich ein paar Gedanken gemacht wie ich und vor allem wo ich welche Teile benötige um das Boot ohne großen Aufwand bewegen zu können. Der Plan war 2 Rollen mittig unter das Boot und 2 Rollen links und rechts ganz vorne am Trailer zu platzieren. Ins Wasser sollte das Boot mit Hilfe eines leichten Schupsers rutschen und raus wollte ich es mit Hilfe einer Seilwinde ziehen.

Die Seilwinde war schnell bestellt und kam auch mit den passenden Schrauben zügig bei mir an. Mike hatte glücklicherweise noch einen alten Bootstrailer hinterm Haus stehen, an dem ich mich austoben konnte. Also schraubte ich mir die 4 benötigten Rollen ab und der Umbau konnte „fast“ beginnen. Denn bevor ich mit dem Montieren der Neuteile begann, wollte ich dem verrosteten Unterbau eine neue Farbe mitgeben. Also wurde das gute alte Schleifpapier wieder rausgekramt und das gesamte Untergestell abgeschliffen und grob vom Rost befreit. Danach kam wieder Grundierung und die Hauptfarbe. Als der Trailer nach 3 Tagen komplett gestrichen war konnte es ans Anpassen der Rollen und der Seilwinde gehen.

Als dies geschehen war und alle Teile montiert waren, ging es direkt ans Wasser um zu testen, ob alles so funktioniert wie ich es mir ausgedacht hatte. Das ins Wasser lassen funktionierte reibungslos mit einem kleinen Schubser. Doch beim wieder raus holen viel mir ein Problem auf. Ich befestigte die Seilwinde am oberen Rand des Bootes. Was zu Beginn des einkurbelns kein Problem darstellte. Doch um so näher das Boot kam, desto mehr wurde es nach unten gezogen und nicht wie gewünscht nach vorne. Ein wenig schwierig zu erklären, doch die folgenden Bilder zeigen das Problem, denke ich, ganz gut!

falsche_seilwindenmontage

Doch dank Andrè, einem sehr guten Freund, konnten wir das Problem schnell beheben. Er schweißte mir aus 2 Metallplatten und einer Öse einen Haken, den ich genau passend am Boot anbringen konnte. Nun konnte ich das Boot perfekt auf den Trailer ziehen. Also war auch das Projekt Trailer-Umbau geglückt.

Alles in Allem bin ich nun stolzer Besitzer eines komplett selbstgebauten Bootes, das genau nach meinen Vorstellungen gebaut wurde. Wer also Lust, Zeit und ein wenig Geld investiert, kann sich selbst einen kleinen Traum erfüllen. Doch man sollte den zeitlichen Aufwand nicht unterschätzen.

 

 

 

 

Marcel

Marcel

Servus,
ich heiße Marcel und bin 26 Jahre jung. Ich habe den Blog HECHT-ZANDER-BARSCH.DE im August 2013 zum Leben erweckt und arbeite seit dem intensiv an diesem Projekt.

Angeln ist für mich nicht mehr nur ein Hobby, es ist eine Leidenschaft und nimmt einen Großteil meines Lebens ein.

Ich wünsche Euch viel Spaß auf dem Blog.

2 Comments

  1. Oliver Arntz
    März 13, 2015 at 4:06 pm — Antworten

    Hallo Marcel,

    ein wirklich sehr interessanter und gelungener Bericht, wie ich finde. Dennoch habe ich ein, zwei Frage an Dich.
    Wieso hast Du Dich für ein altes Segelboot und nicht speziell für ein Ruderboot entschieden?
    Außerdem die Frage, ob Du zusätzlich eine Bilgenpumpe verbaut und hast Du über der Luke noch einen Deckel verwendet?

    Gruß Oliver

    • März 13, 2015 at 4:54 pm — Antworten

      Hi Oliver,
      danke für deinen Kommentar.

      Das ich mich für eine Segelboot und nicht für ein Ruderboot entschieden habe hat keine wirklich Bedeutung. Der Preis, die Form und die Größe des Boots haben einfach gepasst.

      Eine Pumpe habe ich nicht eingesetzt. Auch über den Ausschnitt ist kein Deckel mehr gekommen. Was man auf dem Bild nicht sieht ist dass ich unterhalb des Ausschnitts eine Vertiefung im Boot habe. Sollte ich also nach einem Regnerischen Tag Wasser im Boot haben, sammelt sich dieses genau in dieser Vertiefung und ich entnehme es ganz klassisch mit einem Eimer.

      Ich hoffe ich konnte dir mit den Antworten helfen.

      Wenn du noch etwas wissen möchtest kannst du dich gerne bei mir melden

      LG Marcel

Kommentar verfassen

HZB-taka-Gewinnspiel-Hauptbild
Previous post

Das “PASSION MAKES NO BORDERS 2″ Schätz-Gewinnspiel

HZB-Shimano_Katalog_2015
Next post

Shimano Katalog 2015